Minima Moralia - Reflexionen aus dem beschädigten Leben by Theodor W. Adorno

By Theodor W. Adorno

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Geschichte der chinesischen Literatur: Vol. 03: Die chinesische Erzählung - Vom Altertum bis zur Neuzeit

Dieses Buch von Monika Motsch ist die Geschichte der chinesischen Erzahlung vom Altertum bis zur Neuzeit. Es ist der dritte Band der von Wolfgang Kubin herausgegebenen 'Geschichte der chinesischen Literatur', einer auf zehn Bande angelegten Gesamtdarstellung.

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Jungs haben davon etwas gemerkt. „Es gehört", heißt es in einem EranosAufsatz G. R. " Statt dessen gilt nun für die kürzeste Verbindung zwischen zwei Personen die Gerade, so als ob sie Punkte waren. Wie man heutzutage Häuserwände aus einem Stück gießt, so wird der Kitt zwischen den Menschen ersetzt durch den Druck, der sie zusammenhält. Was anders ist, wird gar nicht mehr verstanden, sondern erscheint, wenn nicht als Wienerische Spezialität mit einem Stich ins Oberkellner62 hafte, als kindisches Vertrauen oder unerlaubte Annäherung.

Das beste Verhalten all dem gegenüber scheint noch ein unverbindliches, suspendiertes: das Privatleben füh57 ren, solange die Gesellschaftsordnung und die eigenen Bedürfnisse es nicht anders dulden, aber es nicht so belasten, als wäre es noch gesellschaftlich substantiell und individuell angemessen. „Es gehört selbst zu meinem Glücke, kein Hausbesitzer zu sein", schrieb Nietzsche bereits in der Fröhlichen Wissenschaft. Dem müßte man heute hinzufügen: es gehört zur Moral, nicht bei sich selber zu Hause zu sein.

Hüten soll man sich vor allem, Mächtige zu suchen, von denen man „etwas zu erwarten hat". Der Blick auf mögliche Vorteile ist der Todfeind der Bildung menschenwürdiger Beziehungen überhaupt; aus solchen kann Solidarität und Füreinandereinstehen folgen, aber nie können sie im Gedanken an praktische Zwecke entspringen. Kaum minder gefährlich sind die Spiegelbilder der Macht, Lakaien, Schmeichler und Schnorrer, die sich dem, der besser dran ist, in einer archaistischen Weise gefällig machen, wie sie nur unter den wirtschaftlich extraterritorialen Verhältnissen der Emigration gedeihen kann.

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