Gewinn in alle Ewigkeit: Kapitalismus als Religion by Christoph Fleischmann

By Christoph Fleischmann

»Wir haben Ihnen 15 Prozent every year versprochen, und das haben Sie geglaubt!« So schreien es die Bankiers in Elfriede Jelineks Wirtschaftskomödie Die Kontrakte des Kaufmanns. Sie haben es geglaubt! Die Finanzkrise hat einmal mehr gezeigt, dass zu unserem Wirtschaftssystem ein entsprechender Glaube gehört: Der Glaube daran, dass das Wachstum niemals aufhört und dass es Gewinn ohne Reue gibt.
Der Journalist Christoph Fleischmann blickt zurück auf die Anfänge des Kapitalismus an der Schwelle zur Neuzeit. Dabei nimmt er den Faden von Walter Benjamin auf, der im Kapitalismus eine faith sah, die in Europa das Christentum abgelöst hat.
Anschaulich legt Fleischmann dar, wie die kapitalgetriebene Wirtschaft die Wahrnehmung der Welt veränderte: Die Habgier, einst als eine Todsünde verschrien, machte Karriere als Wirtschaftstugend Nummer eins. Und die Vor­sehung Gottes wurde kurzerhand für die Wirtschaft reklamiert: Wenn alle den eigenen Vorteil suchen, dann lenkt die kosmische Harmonie alles zum Wohle aller.
Eine andere Geschichte des Kapitalimus, luzide und unterhaltsam geschrieben, die die Selbstverständlichkeiten dieses Wirtschafts- und Gesellschaftssystems hinterfragt.

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So wie wir heute von Finanzkapitalismus sprechen, wenn ein Großteil der Gewinne nicht mehr 45 aus der Produktion, sondern aus der Spekulation erwächst, so kann man mit Recht bei dieser frühen Form einer kapitalgetriebenen Wirtschaft von Handelskapitalismus sprechen. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Lokale Märkte, auf denen lokale Produkte verkauft wurden, gab es natürlich im frühen Mittelalter auch. Sie unterscheiden sich aber von dem Handeln der Fernhändler dadurch, dass hier oft nur Überschüsse der Produzenten veräußert wurden – wie es die oben zitierte Preisfestsetzung aus der Karolingerzeit spiegelt.

38 Theoretisch ist das ein Fortschritt, dass nun neben der aufgewendeten Arbeit weitere Preisbestimmungsgründe benannt werden, die das Wirtschaftsgeschehen ja längst beherrschen: Wenn man aber die ethische Frage nach dem fairen Preis stellt, wird die Sache komplizierter. Wie kann man den überhaupt noch bestimmen? Bernardino nähert sich in seinen Überlegungen dem an, was man als Marktpreis bezeichnen kann: Für ihn ist der gerechte Preis das, was in einer Gegend – aufgrund von Nützlichkeit, Nachfrage und Kosten des Kaufmanns – üblicherweise für eine Ware bezahlt wird.

29 Aus dieser Formulierung von Heinrich von Langenstein springt uns wieder der Habsucht-Verdacht gegenüber den Händlern an. Denen müssen also Preisgrenzen aufgezeigt werden, damit das Gemeinwohl keinen Schaden leidet.  Jahrhundert in Wien wohl illusorisch. So blieb ihm nur der Appell an das Gewissen der Kaufleute. Der einzelne Händler müsse den Preis festlegen unter Berücksichtigung dessen, »was er verlangen muss, um standesgemäß zu leben, und unter vernünftiger Einrechnung seiner Kosten und seiner Arbeit«.

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