Geistig Behinderte im Spiegel der Zeit: Vom Narrenhäusl zur by Günther Häßler, Frank Häßler

By Günther Häßler, Frank Häßler

Show description

Read Online or Download Geistig Behinderte im Spiegel der Zeit: Vom Narrenhäusl zur Gemeindepsychiatrie PDF

Best german_2 books

Eventrecht kompakt: Ein Lehr- und Praxisbuch mit Beispielen aus dem Konzert- und Kulturbetrieb

Kulturelle occasions, von der intimen Jazz-Session über eine Musical Gala bis hin zu großen Festspielen, sind nur dann erfolgreich, wenn der Organisator das Wechselspiel zwischen advertising, Betriebswirtschaft und den häufig unterschätzten Rechtsfragen beherrscht. Die rechtlichen Hürden rund um eine Veranstaltung werden durch das vorliegende Buch systematisch und leicht verständlich dargestellt.

Deutsche Kreisflügelflugzeuge

Enthaltene Flugzeuge: Arthur Sack A. S. five A. S. 6; BMW Fl#252;gelrad I V1 / V2; BMW Fl#252;gelrad II V1 / V2 / V3; Messerschmitt Kreisfl#252;gel J1253; Zeppelin-Werke V-7 Feuerball; Focke VTOL; Henri Coanda Aerodyne; Omega Diskus; Focke Wulf Triebfl#252;gel.

Extra info for Geistig Behinderte im Spiegel der Zeit: Vom Narrenhäusl zur Gemeindepsychiatrie

Example text

Jahrhundert kein kontinuierlicher Prozess. Eine irreversible Alphabetisierung tritt erst im 19. Jahr­ hundert mit der allgemeinen Schulpflicht ein. Der Einzug der Moderne „bringt auch neue Abhängigkeitsverhältnisse sowie eine Destabilisierung und Krise der altherge­ brachten Zunftbande mit sich“ (Ariés u. Duby 1990). Für die geistig Behinderten, die Irren und Schwachsinnigen brechen keine besseren Zeiten an. Nicht nur die Kluft zur geistigen Elite wird größer, es wächst auch der Ab­ stand zur Gemeinschaft und, was Immanuel Kant hinsichtlich des Zustandekommens wahrer Reformen befürchtet hatte, es zeichnete sich ab, dass „neue Vorurteile werden, ebenso wohl als die alten, zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen“ (Kant 1922).

Ein Aufstieg in die handwerkliche Zunftordnung blieb ihnen grund­ sätzlich verwehrt. Geistig behinderte Waisen von Zunfthandwerkern genossen aber wenigstens die auch den Witwen zustehende Unterstützung der Zunft. Die Bürger mit gemeingefährlichem Irrsinn, Tobsüchtige und Schizophrene sperrte man dagegen zu Hause, in Türmen und Verliesen der Stadtmauer oder in den oft vor den Toren aufge­ stellten „dordenkisten“ (Tollkisten), „unsinnige heiser“, „dolhuißgen“ oder „hundthuy­ seren“ unter menschenunwürdigen Bedingungen ein.

Das Aufblühen der Städte, Neugründungen als Folge von wirtschaftlichem Aufschwung in Handel und Gewerbe und der erfolgreiche Kampf um Unabhängigkeit von Lehnsherren brachten den bisher Hörigen bürgerliche Freiheit. Damit waren nicht nur Vorteile verbunden. Der Leibeigene auf dem Land war absolut abhängig von seinem Grundherren, doch dieser gewährte ihm in Zeiten der Not auch Schutz und Unterstützung. Als Unabhängiger in der Stadt war er hingegen in Notfällen hilf- und schutzlos, allein angewiesen auf die Mild­ tätigkeit derer, die ihren Besitz auch über schlechte Zeiten zu bewahren wussten.

Download PDF sample

Rated 4.21 of 5 – based on 33 votes