Die Frau im Fahrstuhl by Helene Tursten

By Helene Tursten

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Als ich etwas benommen fragte, wer mich geweckt habe, streckte die schemenhafte schwarze Gestalt nur den Arm aus und deutete auf die offene Schlafzimmertür. Die weißen Schranktüren in der Diele reflektierten einen flackernden Lichtschein. Mit einem Mal war ich hellwach. Es brannte! Ich weckte meine Frau und rannte in die Diele. Der Lichtschein kam aus dem Wohnzimmer. Dort hatten sich die brennenden Holzkugeln bereits gelöst und den Teppich und die Gardinen in Brand gesetzt. Ich packte das Schaffell, das immer vor dem offenen Kamin lag, und begann damit, die Brandherde zu ersticken.

Geschirr, Kaffeemaschine, Zucker, ein kleiner Tisch mit Stühlen, alles fand sich in der Küche. Das Schwesternzimmer war winzig und eng. « Dort drinnen blinkte und funkelte es, Spülbecken und Maschinen aus Edelstahl. Schmutzwäsche, Bettpfannen, Nierenschalen, alte Verbände, Blumenvasen; alles Unreine landete im Spülraum. Alles, was Krankheitserreger weiterbefördern konnte, wurde dorthin gebracht, um gespült, in die Zentralsterilisation gebracht oder weggeworfen zu werden. Ich betrachtete den Spülraum immer als die Bazillenbarriere der Station.

Aber mich interessierte die Sache, und ich stellte eigene Nachforschungen an. Darüber haben sich alle jahrelang lustig gemacht. « Er verzog das Gesicht und trank sein Glas aus. Anschließend lehnte er sich zurück und faltete die Hände über dem Bauch. »Ich stieß auf eine überaus traurige Geschichte. Sie trug sich Mitte des 19. Jahrhunderts zu. In dem Haus am Meer wohnte damals Annie Duncan mit ihren betagten Eltern. Sie war das einzige Kind und hatte versprochen, sich um sie zu kümmern. Es gab ein Gerücht, Annie habe einen Liebsten, aber die Jahre vergingen, ohne dass sie heiratete, und das Gerücht kam zum Verstummen.

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