Das sogenannte Bose: Zur Naturgeschichte der Aggression by Konrad Lorenz

By Konrad Lorenz

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Selbst im Transportbehälter, wo ihnen fürwahr nicht wohl in ihrer Haut ist, oder als dahinsiechende Kranke zeigen sie ihre Farbenpracht unverändert, ja selbst im Tode dauert es lange, bis sie ganz verschwindet. Auch sind bei allen typisch plakatfarbigen Korallenfischen nicht nur Männer und Weiber gleich gefärbt, sondern auch die ganz kleinen Kinder zeigen knallbunte Farben, und zwar erstaunlicherweise sehr oft solche, die völlig anders und noch bunter sind als die der erwachsenen Fische, ja, was das Tollste ist, bei manchen Formen sind nur die Kinder bunt, wie zum Beispiel bei dem auf S.

Beim Stichling ist dies das Männchen, bei manchen Zwergbuntbarschen das Weibchen. Auch bei Hühnern und Entenvögeln, bei denen nur die Weibchen brutpflegen, sind diese weit unverträglicher als die Männer – vom Rivalenkampf natürlich abgesehen. Beim Menschen soll das ähnlich sein. Es wäre falsch zu glauben, daß die drei im vorliegenden Kapitel bereits besprochenen Leistungen aggressiven Verhaltens, nämlich die Verteilung gleichartiger Lebewesen über den verfügbaren Lebensraum, die Selektion durch Rivalenkämpfe und die Verteidigung der Nachkommenschaft, die einzigen für die Arterhaltung wichtigen Funktionen seien.

Er muß eine extreme Herauszüchtung aller sogenannten »kriegerischen Tugenden« bewirkt haben, die leider noch heute vielen Menschen als wirklich anstrebenswerte Ideale erscheinen – worauf wir in den letzten Kapiteln dieses Buches zurückkommen werden. Wir kehren zum Thema der arterhaltenden Leistung des Rivalenkampfes mit der Feststellung zurück, daß dieser nur dort eine nützliche Auslese treibt, wo er Kämpfer züchtet, die nicht nur auf das innerartliche Duell-Reglement, sondern auf die Auseinandersetzung mit außerartlichen Feinden geeicht sind.

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