‚Das Gesetz bin ich‘: Verhandlungen von Normalität in der by Holger Schmidt

By Holger Schmidt

Im Rahmen organisierter Sozialisation und im Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle reproduzieren die Professionellen der Sozialen Arbeit soziale Normen. Diese ethnografische Studie zeichnet gelingende konstitutive Bedingungen in Interaktionen nach. Gerade die Offene Kinder- und Jugendarbeit mit ihrem Alltagsbezug und ihrer Offenheit erweist sich als erkenntnisreich hinsichtlich der Erlangung von Sanktionsmacht, sozialer Kontrolle, der Durchsetzung sozialer Normen und der Initiierung von Selbstregulierungsprozessen bei Kindern und Jugendlichen. Der Autor zeigt, dass keine soziale Normen zwischen Professionellen und Adressatinnen und Adressaten ausgehandelt werden, sondern lediglich Situationen, in denen sie zur Anwendung kommen. Zudem vertreten Kinder und Jugendliche Normalitätsvorstellungen, die von den Professionellen wiederum nicht beachtet werden. Ein sozialpädagogischer Diskurs zu und über soziale Normen und den dahinter liegenden Normalitätsvorstellungen – so wird eindringlich gezeigt – ist für eine fortschreitende Professionalisierung unerlässlich bzw. längst überfällig.

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Sanktionen nennen wir Reaktionen, die mit der Intention der Erkennbarkeit für den Betroffenen als negative (strafende) Antwort auf ein bestimmtes Verhalten vollzogen werden“ (Popitz 1980, S. 28). Die bzw. der Sanktionierende muss der oder dem Anderen dabei deutlich machen, dass sie bzw. er eine negative Reaktion aufgrund eines konkreten Verhaltens des Anderen ausführt. Diese Reaktion muss folglich offensichtlich sein und kann der Interaktion beider Personen entnommen werden. Im ersten vorangegangenen Beispiel, der nicht entgegneten Begrüßung, kann also keine Norm abgelesen werden, da die Person A, deren Begrüßung nicht erwidert wurde, Person B keine deutliche negative Reaktion hat zukommen lassen, die sich auf ein bestimmtes Verhalten von Person B bezogen hat.

Handlungen unterschiedlicher Menschen, die aufeinander bezogen institutionalisiert ablaufen, können als Typen von Handlungen bezeichnet werden. In Institutionen werden typisierte Handlungen durch typisierte Handelnde voraussagbar ausgeführt: „Institutionalisierung findet statt, sobald habitualisierte Handlungen durch Typen von Handelnden reziprok typisiert werden. Jede Typisierung, die auf diese Weise vorgenommen wird, ist eine Institution. Für ihr Zustandekommen wichtig sind die Reziprozität der Typisierung und die Typik nicht nur der Akte, sondern auch der Akteure.

Eine solche Zuschreibung muss nicht in einem bewussten Akt stattfinden, vielmehr kann sich eine solche Rolle mit der dazu ausgestatteten Macht aus einer Vielzahl von Interaktionen ergeben, aus denen sich ein Status ergibt. In informellen sozialen Gruppen können sich daraus beispielsweise die Rollen der Anführerinnen bzw. Anführer ergeben (siehe dazu auch den anschließenden Forschungsstand). Dies würde bedeuten, dass nur diejenige bzw. derjenige Sanktionen durchführen kann, der dazu mit der notwenigen (deontischen) Macht ausgestattet ist.

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