Aufsatze und Reden by Niklas Luhmann

By Niklas Luhmann

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N u r u n t e r diesen beiden Voraussetzungen hoher Kontingenz der Selektionen und ausreichender Nichtbeliebigkeit in den Relationen zwischen ihnen können komplexe Systeme entstehen, die strukturell offen lassen u n d doch synchronisieren können, w i e man sich im einzelnen verhält. J e d e Theorie der Kommunikationsmedien hat demnach davon auszugehen, daß nichtidentische Selektionsperspektiven vorliegen u n d selektiv zu verknüpfen sind. Selbst Wahrheit, selbst M a c h t reguliert eine kontingente Selektion beider Kommunikationspartner.

Die oben skizzierten Interaktionskonstellationen sind nicht als solche schon problematisch. Es muß daher immer noch ein Spezialproblem (im Falle der Erlebnisübertragung z u m Beispiel eine gewisse Unwahrscheinlichkeit von Informationen) h i n z u k o m m e n , soll die Orientierung an Kommunikationsmedien in Funktion treten. Das erklärt zugleich, daß ein u n d dieselbe Interaktionskonstellation A n l a ß geben kann zur Entwicklung verschiedener Kommunikationsmedien mit unterschiedlichen PräferenzCodierungen.

Problematisch u n d stärker ausdifferenzierungsbedürftig w i r d dieses M e d i u m erst seit d e m Mittelalter mit zunehmender Individualisierung der Lebensführung, besonders in den höheren Schichten. D i e Unwahrscheinlichkeit der Selektionsübertragung w i r d g r ö ß e r in dem Maße, als Ego eine mehr oder w e n i g e r private S o n d e r w e l t konstituiert u n d A l t e r sich gleichwohl h a n d e l n d , also sichtbar, darauf einläßt. Diese Möglichkeit w i r d in der beginnenden N e u z e i t unter neuen Aspekten der Freundschaft gleichgesinnter Seelen u n d der passionierten L i e b e kultiviert und gerade als A b w e i c h u n g gesellschaftlich legitimiert (Tenbruck 1964).

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