Afrika in der Globalisierungsfalle by Rainer Tetzlaff

By Rainer Tetzlaff

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Auch der Erfolg der „cultural studies“, einschließlich der postkolonialen Studien weltweit, weist auf eine Akzentverschiebung in der Interpretation von Geschichte hin: von der politik-ökonomischen Perspektive zur kulturellen Perspektive, in die auch religiöse Wertsysteme eingeschlossen sind. Unter Kultur soll in Anlehnung an den Anthropologen Clifford Geertz „ein geordnetes System von Bedeutungen und Symbolen“ verstanden werden, „vermittels dessen gesellschaftliche Interaktionen stattfindet“. Sie ist „das Geflecht von Bedeutungen, in denen Menschen ihre Erfahrungen interpretieren und nach denen sie ihr Handeln ausrichten“ (Geertz, zit.

Ob Wissenschaftler, Philosophen oder Schriftsteller, ob aus Europa, Amerika oder der Dritten Welt, ob Konservative, Liberale oder linke – „alle scheinen sich darin einig, dass der Kapitalismus, der dem Westen Jahrzehnte märchenhaften Wohlstandes beschert hat, heute zunehmend als Bedrohung wahrgenommen werden muss. (Jessen 2006: 108). Die Bedrohung besteht in der gnadenlosen Anwendung des Konkurrenzprinzips als naturgesetzliches Dogma, dem der Schwächere weichen müsse. „Das Unterfutter der neuen Marktideologie bildet ein Darwinismus einfältigster Sorte.

Man spricht vor Ort bereits von den „neuen Imperialisten“. In den jährlichen Berichten von Weltbank und UNDP wird die zunehmende sozio-ökonomische Polarisierung in der Welt zwischen reicher und ärmer werdenden Gesellschaften dokumentiert. Eigentlich ist es deprimierend, dass nach vier Entwicklungsdekaden und ca. 500 Mrd. Dollar Leistungstransfers in die sogen. Dritte Welt der globale Trend zunehmender Ungleichheit zwischen den Staaten der Erde nicht gestoppt und umgekehrt werden konnte. Die im Jahr 2000 verkündeten Milleniums-Development-Goals mit dem ehrgeizigen Ziel, mittels höherer Finanztransfers bis 2015 wenigstens die Zahl der absolut Armen zu halbieren und das Analphabetentum zu beenden, ist als verständliche und ethisch gerechtfertigte politische Reaktion auf diese Fehlentwicklung zu bewerten – aber die Idee vom „big push“ ist vielleicht nur ein hilfsloser Schrei in der Not.

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